Kein Visum für Neckarsulms russischen Spitzenspieler
Auch ohne den Russen Vyacheslav Krivosheev feiert die Sport-Union Neckarsulm einen gelungenen Start in die Drittliga-Spielzeit.
von Florian Huber (Heilbronner Stimme)
Am Sonntagnachmittag war Julian Mohr als Möbel-Aufbauhelfer gefordert. „Da gibt es einen klaren Plan, eine Anleitung“, sagt der Tischtennis-Abteilungsleiter der Sport-Union Neckarsulm. Den hatte er als Kaderplaner der Drittliga-Männer für seine Mannschaft auch. Doch der Plan geht nicht auf, eine Anleitung für die Problemlösung existiert nicht.
Am vergangenen Wochenende sollte Neuzugang und Spitzenspieler Vyacheslav Krivosheev sein Debüt für den Drittligisten geben. Daraus wurde nichts. Der Russe erhielt kein Visum, durfte nicht nach Deutschland reisen. „Das kam überraschend“, sagt Julian Mohr. Am Donnerstag sollte der 37-Jährige von Moskau in die ungarische Hauptstadt Budapest fliegen, dann nach Neckarsulm weiterreisen. Bis Mittwoch seien die dafür nötigen Dokumente digital erteilt gewesen, dann meldete das System „technische Probleme“, erzählt Mohr. Bisher waren Einreisen in die EU aus Russland via Ungarn verhältnismäßig einfach. Krivosheev hat auch seit dem Ukraine-Krieg für Passau und Kuppingen in Deutschland Zweit- und Drittliga-Tischtennis gespielt. Ist häufiger über Ungarn in den Schengen-Raum eingereist.
Woran nun das verweigerte Visum liegt? Mohr hat gehört, dass auch andere Sportler zuletzt Einreiseprobleme gehabt hätten. Es lässt sich nur spekulieren, dass die EU den bisher so freigiebigen Ungarn genauer auf die Finger schaut, weil sonst Sanktionen drohen.
In der Verantwortung Kaderplaner Mohr war klar, dass die Verpflichtung Krivosheev mit höheren bürokratischen Hürden verbunden ist. „Ich stehe am Ende des Tages dafür gerade, übernehme die Verantwortung“, sagt der Neckarsulmer. Interne Vorwürfe gab es bisher noch keine. „Selbst schuld, das habe ich bisher nicht gehört. Fehler würde ich nicht sagen. Ich sehe es eher als Erfahrung“, sagt er zur Verpflichtung eines russischen Sportlers, der zuletzt einige Monate in seiner Heimat weilte. „Natürlich war das ein gewisses Risiko mit einem Spieler, der so ein Visum braucht“, sagt Mohr. Da Neckarsulm erst in der Relegation (wegen eines fehlendes Satzgewinns) am Zweitligaaufstieg Ende April scheiterte, war es ohne sportliche Planungssicherheit schwierig, europäische Spieler zu verpflichten. Die Krux daran: Die erhoffte personelle Planungssicherheit haben sie in Neckarsulm nun auch nicht.
Mohr sucht weiter nach einem Weg, seine Nummer eins an den Neckarsulmer Tisch zu bekommen. „Tischtennis ist sein Job, sein Lebensmittelpunkt, um Geld zu verdienen“, sagt er. Krivosheev sollte die beiden ersten Saisonspiele am vergangenen Wochenende in Wohlbach und nächste Woche in Versbach bestreiten, um anschließend durch Osteuropa zu tingeln, in Trainingsgruppen an der Form feilen, Turniere spielen und Ende November dann wieder bei den beiden Top-Spielen gegen direkte Aufstiegskonkurrenten aus Windsbach und Kaiserslautern mitzuspielen. „Ich bin bereit, viele bürokratische Hürden zu nehmen“, sagt Mohr mit Blick auf Krivosheev. Sie sind mindestens so hoch wie die sportlichen ohne die Nummer eins.
Große Hypothek Beim Auftaktspiel beim TTC Wohlbach musste somit Julius Aichert aus der 2. Mannschaft ran, für den die 3. Liga eigentlich ein paar Nummern zu groß ist. Im Doppel war Aichert zusammen mit Florian Bluhm nah dran am Sieg. Weil auch Neuzugang Aleksa Gacev und Julian Mohr knapp verloren, stand es früh 0:2, dazu die Hypothek an Position vier beide Punkte abzugeben. „Wir wussten, dass wir alle anderen Einzel für uns entscheiden mussten“, sagt Mohr. Das gelang dem Stammtrio Bluhm, Gacev und Mohr beeindruckenderweise. „Vom Gefühl her war ich derjenige, der am erleichtertsten war“, sagt er. Nun gilt es das zweite Saisonspiel in Versbach am Sonntag (14 Uhr) in gleicher Formation schadlos zu überstehen. Zum ersten Heimspiel am 22.September gegen Effeltrich kommt dann wie schon vor Saisonbeginn geplant Ronit Bhanja (und in der Vorsaison) aus Indien. Hoffentlich ohne Probleme mit dem Visum.
