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Home / News / Bundesliga / Der Neckarsulmer Spezialagent an der Platte
Bundesliga

Der Neckarsulmer Spezialagent an der Platte

10. Oktober 2023

Der indische Neuzugang Ronit Bhanja kann das Neckarsulmer 3:6 im Drittliga-Topspiel gegen Saarbrücken II nicht verhindern, feiert aber seinen ersten Sieg im Trikot der Sport-Union.

Ronit Bhanja fühlte sich in der Nacht auf Sonntag wie nach einem Date, das so gar nicht nach Wunsch verlaufen ist. Der 25-Jährige grübelte in seinem Hotelbett bis nachts um zwei Uhr, er haderte mit sich und seiner Premiere beim Drittligisten Sport-Union Neckarsulm. In der Neckarsulmer Dunkelheit fuhren die Gedanken Karussell im Kopf des Mannes aus Kolkata, besser bekannt unter dem Namen Kalkutta: „So bin ich doch gar nicht. Das war nicht ich.“

 

Viel zu nervös bei der Premiere

Denn die Nummer zwei aus Indien verpatzte ihr Debüt, verlor bei Aufsteiger Kuppingen beide Einzel gegen Kontrahenten, die eigentlich schlagbar sein sollten. „Er hat sich fünf Mal die Schuhe gebunden, war einfach viel zu nervös“, erzählte Trainer Alexander Mohr. Eine 9:4-Führung im fünften Satz verspielte der Neue. Zum Glück sprangen die Kollegen in die Bresche, sicherten den 6:3-Auswärtssieg.

Im Kampf um den Zweitliga-Aufstieg setzen die Unterländer ja erstmals auf einen fünften Mann im Kader, der als Spezialagent bei den besonders kniffligen Fällen ran darf. So wie am Sonntag gegen Aufstiegs-Topfavorit 1. FC Saarbrücken II, der sich in mehr als drei hochspannend, hochdramatisch und hochklassigen Stunden mit 6:3 durchsetzte. Für Neckarsulm punkteten das Doppel Julian Mohr/Albert Vilardell und im Einzel Florian Bluhm.

 

Sieg gegen den Belgier Cedric Nuytinck

Auch der Neue hatte erstmals in einem Einzel etwas zu bejubeln. Der zweite Eindruck fiel am Sonntag wesentlich vielversprechender aus als der erste am Tag zuvor.

Bhanja glänzte mit einem überraschenden 3:1-Erfolg gegen den Belgier Cedric Nuytinck, eigentlich fester Bestandteil des Erstligakaders des deutschen Meisters von 2020, der als aktueller Champions-League-Titelträger zu Europas Top-Teams zählt. „Manchmal ist Sport verrückt“, sagte Florian Bluhm über den verpatzten Debütanten-Samstag und den unerwarteten Coup des Neuen.

„Natürlich mache ich mir Druck“, sagt Bhanja offen und ehrlich. Er weiß ja, weshalb er extra eingeflogen wird. Zwar nicht aus Indien, aber doch aus Spanien. In Madrid, im spanischen Tischtennis-Zentrum, lebt und trainiert der studierte Informatiker aktuell. In der Vorsaison spielte er in Frankreich in der 3. Liga bei Chartres. „Hier ist die 3. Liga aber wesentlich stärker“, sagt Bhanja: „Ich brauche ein bisschen Zeit, um mich an das Spiel zu gewöhnen.“ In Indien gibt es keine Ligenstruktur wie in Europa, sondern nur einzelne Events.

 

Niederlage gegen U19-Europameister

Als 20-Jähriger gehörte er mal zu den Top 12 in der U21-Weltrangliste. Davon ist er ein paar Jahre später aktuell weit entfernt. Die zwei Niederlagen am Samstag sah er am Sonntag noch als gutes Omen: „In Frankreich habe ich auch mit zwei Niederlagen begonnen und danach 16 Spiele in Serie gewonnen.“ Dieses Vorhaben verhinderte U19-Europameister Eduard Ionescu mit seinem 3:1-Satzerfolg zum vorentscheidenden 5:3-Zwischenstand.

Florian Bluhm hatte im Spiel des Tages den erst 18 Jahre alten Ionescu am Rande einer Niederlage, führte mit 2:1-Sätzen gegen den Weltranglisten-72. Der rumänische Nationalspieler warf bei den European Games im vergangenen Juni keinen geringeren als Dimitrij Ovtcharov aus dem Einzel-Wettbewerb. Gegen Abwehrkünstler Bluhm tat er sich schwerer als erwartet, weil Neckarsulms Nummer eins im Topspin- und Schusshagel (fast) alles abwehrte und erst im fünften Satz knapp unterlag. Seine starke Form unterstrich Neckarsulms Nummer eins später mit einem 11:3, 11:1, 11:9 gegen den völlig entnervten Belgier Nuytinck.

 

Zweitliga-Aufstieg ist noch nicht abgehakt

Dass Saarbrücken so viel Klasse mit nach Neckarsulm brachte ist einerseits Ausdruck der SUN-Wertschätzung als Hauptkonkurrent, unterstreicht andererseits auch den Willen, unbedingt mit dem Erstliga-Unterbau in die 2. Liga zurückzukehren. „Wir geben noch nicht auf in Sachen Aufstieg“, sagte Trainer Alexander Mohr. „Jetzt dürfen wir uns keinen Ausrutscher mehr erlauben, damit wir in der Rückrunde noch eine Chance haben“, ergänzte Trainersohn Julian Mohr.

Künftig soll zudem der Neuzugang leichter in den Schlaf finden. Dass quasi nebenan von seinem Hotel Audis gebaut werden, wusste er bis zu seinem Heimdebüt nicht. „Davon lässt sich ja beim Einschlafen denken“, sagte Bhanja und lachte.

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