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Bundesliga

Neckarsulmer Tischtennisspieler nutzen beim Pokal-0:3 gegen Mühlhausen die kleinen Chancen nicht

26. September 2023

Drittligist Neckarsulm verkauft sich beim 0:3 im DTTB-Pokal-Achtelfinale gegen Erstligist Post SV Mühlhausen teurer als gedacht. Für einen Gästespieler ist es kein Spiel wie jedes andere.

Am Samstagabend war Ovidiu Ionescu plötzlich wieder 16 Jahre alt. Vor ihm auf dem Tisch, daheim bei Walter Fegert, lagen Fotos aus dem Jahr 2005. Sie zeigten einen rumänischen Teenager im Trikot der TSG Heilbronn. „Das war sehr emotional für mich, weil es der Beginn einer großen Reise war“, sagt er. Sie hat den jungen Übernachtungsgast im Haus des damaligen Abteilungsleiters Fegert in die große Tischtennis-Welt geführt. Zum Tischtennis-Vize-Weltmeister im Doppel 2019, EM-Zweiten im Einzel 2018 und Olympia-Teilnehmer wie zuletzt 2021 gemacht.

Über all die Jahre ist der Kontakt nie abgerissen. „Er schickt mir Fotos über Whatsapp“, sagt Fegert, mittlerweile bewundernswert fitte 89 Jahre alt. Am Sonntag reiste Ovidiu Ionescu mit seinem Post SV Mühlhausen sportlich zurück in die Vergangenheit. Im Herbst 2005 entschied er das Regionalliga-Derby in der Neckarsulmer Ballei (9:6) quasi im Alleingang für die TSG Heilbronn. Nun brachte er das Gefühl mit, das jeder kennt: Mensch, hier war ich doch irgendwann schon mal.

 

Matchwinner 2005, Matchwinner 2023

Die Rolle des Matchwinners fiel Ionescu 18 Jahre später an diesem Sonntagnachmittag auch zu. Schließlich machte der 34-Jährige das erwartete 3:0 im DTTB-Achtelfinal-Duell für den haushohen Favoriten aus Thüringen perfekt.

Nicht nur für Ionescu zählte hinterher mehr das Erlebnis als das Ergebnis, ganz besonders galt das für die Gastgeber von der Sport-Union Neckarsulm. Die Neckarsulmer verkauften sich teuer im Pokal-Highlight, schnupperten in zwei der drei Partien an einem Coup. Florian Bluhm und Co. machten vor den 200 Zuschauern (plus 400 via Internet-Livestream) Werbung in eigener Sache. „Wenn du gegen so eine starke Mannschaft eine Chance haben willst, dann musst du jede kleine Chance nutzen“, sagt Julian Mohr hinterher.

Diese kleinen Chancen boten sich Florian Bluhm beim Stand von 1:2-Sätzen und einer 7:3-Führung in Satz vier gegen Steffen Mengel, der mit acht Punktgewinnen in Serie den Satzausgleich zum 2:2 verhinderte und mit dem 11:7 die 1:0-Führung für Mühlhausen perfekt machte. „Du musst als Erstligaspieler das Selbstvertrauen haben, das noch zu drehen“, sagt Mühlhausens Trainer Erik Schreyer nach einem Duell voller spektakulär langer Ballwechsel. Den schönsten des Tages (zum 5:3 im vierten Satz) entschied dabei Bluhm für sich. Ein schwacher Trost. „So nah war ich gegen ihn noch nie daran“, sagt Bluhm.

Julian Mohr fand danach gegen den österreichischen Weltranglisten-70. Daniel Habesohn nicht ins Spiel, das dafür nach drei kurzen Sätzen auch zu schnell beendet war.

 

Phasenweise trifft Albert Vilardell alles

Die kleine Chance auf einen Coup hatte auch Neuzugang Albert Vilardell im dritten Einzel gegen Ovidiu Ionescu auf dem Schläger. „Phasenweise hat er fehlerlos gespielt“, sagt Alexander Mohr über den spanischen Neuzugang, der Ionescu mächtig ins Schwimmen brachte. Beim Stand von 1:1-Sätzen und 8:5 schien nach einigen Zauberbällen das Momentum auf Seiten des Außenseiters. Die Sätze drei und vier schnappte sich der Favorit. „In den entscheidenden Momenten war er einfach besser“, sagt Vilardell, den Ionescu hinterher „für sein sehr gutes Spiel“ lobte.

Am Ende des Arbeitstages war Sport-Union-Trainer Alexander Mohr noch als Fotograf gefordert. Die Gäste aus Mühlhausen verlangten nach einem Erinnerungs-Schnappschuss mit dem Handy. Nicht nur Mohr hofft, ein Foto vom Pokalsieger 2024 gemacht zu haben. „Der DTTB-Pokal ist der kürzeste Weg zu einem Titel“, sagt Ovidiu Ionescu. Und zu weiteren emotionalen Erinnerungen mit Bezug zum Unterland.

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